MyHighlands.de - der Podcast für Schottland-Fans

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Transkript

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Nicht Schafe, sondern Rinder waren im 15. bis 18. Jahrhundert das Handelsgut der Highlands. Sie gediehen dort so gut, dass die Highlander sie nicht nur zur Eigenversorgung hernahmen, sondern bis nach England verkauften. Dazu brauchten sie die passende Infrastruktur: Und das waren Almen, Cowboys und Highways.

Ihr denkt, ich spinne? Dann bleibt dran.

Diesmal: Almen, Cowboys und Highways – als Rinder das Gold der Highlands waren

Halò a'h-uile daoine, ciamar a' tha sibh?

Ja, das Bild auf dem Youtube-Thumbnail mit einem Cowboy im Kilt vor einer Alm in den Alpen ist übertrieben.

Aber es sollte auch eine Ähnlichkeit aufzeigen. Denn ganz so falsch sind die Vergleiche, die ich hier wähle, nicht.

Denn in den Jahrhunderten vor dem großen Exodus der Highlander, war die Zucht von Rindern einer der größten … wenn nicht DER größte Wirtschaftsfaktor.

Vieh war der einzige transportierbare Reichtum, den der Nordwesten Schottlands anbieten konnte. Das war übrigens auch der Grund, warum die Clans untereinander gerne Cattle Raids betrieben.

Um die Zucht von Rindern sinnvoll zu betreiben, haben sich bestimmte Lebensweisen und Strukturen herausgebildet. Und über die möchte ich mit euch heute reden.

Es fängt an mit Almen.

Shielings - die Almen der Highlands

Ein wenig bekannter Fakt ist der: Viele Bewohner der Highlands und vor allem der Islands folgten einer Wanderweidewirtschaft.

Im Winter war das Vieh nahe oder gar innerhalb der Haupthäuser. Solche alten Blackhouses lassen sich übrigens gut im Highland Folk Museum in Newtonmore erkunden.

Im Sommer machten sich aber Mensch und Vieh auf zu dem, was wir in Deutschland als Alm bezeichnen würden.

Sie gingen zu einer Sommerweide, die oft ein kleineres Wohnhaus oder einen Unterschlupf hatte.

Auf Englisch heißt so eine Alm "Shieling", auf Gälisch "àirigh".

Die Namenshinweise finden sich zum Beispiel im Ort "Camusunary" auf Skye.

Dahinter verbirgt sich das Gälische "Camas an Àirigh - die "weite Bucht der Sommerweide".

Ähnliche Beispiele finden sich mit dem Partikel "Ari" häufiger im ehemals gälischen Sprachraum.

Wenn euch solche Worterklärungen interessieren, dann empfehle ich Euch den Beitrag zu den gälischen Ortsnamen und ihren Bedeutungen.

Aber auch die Bezeichnung "Shieling" findet sich in schottischen Ortsnamen wieder - etwa "Galashiels" im Süden von Edinburgh.

Wie viele dieser Shielings es einst in den Highlands gab, das lässt eine Übersicht über die Insel North Uist aus dem Sommer 2022 erahnen.

Autor Paul Newman geht von 110 dieser Sommerweiden dort aus. Nur auf dieser einen Insel.

Dazu muss man aber wissen: Es gab in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf North Uist um die 1.900 Einwohner, deutlich mehr als heute mit rund 1.300 Einwohnern.

Die Shielings als Bauten konnten aus ganz unterschiedlichem Material sein - von Torf bis Stein in allen Kombinationen. Rund oder eckig, mit einem oder mehreren Räumen. Meist aber nicht viel größer als 5 Meter lang und breit.

Allerdings sahen sie eher nicht so aus, wie auf dem bekannten Bild von Thomas Pennant, das oft gezeigt wird und sich auf Wikipedia findet.

Das sind eher Tipis und der Maler hat die Shielings wohl selbst nie gesehen.

Etwa Anfang Juni zog ein Teil der Bewohner mit dem Vieh Richtung Sommerweide. Meist lagen die etwas höher als der eigentliche Hof.

Eine Untersuchung aus den 1980ern in den Cairngorms legte dar, wie weit die Sommerweiden von den Höfen entfernt lagen. Zwischen einem und rund 20 Kilometer variierten die Distanzen.

Spannend dabei: Nicht jeder Hof hatte ein Shieling, manche dagegen mehrere.

Übrigens: Diese Lebensweise zog sich durch weite Teile des Nordatlantiks. Auf Island gibt es zum Beispiel ganz ähnliche Bauweisen.

Wie beschäftigten sich die Menschen, die mit dem Vieh zur Alm wanderten? Natürlich aufpassen auf Diebe. Aber es gab auch viel zu tun: Torf stechen, Heu einbringen, fischen, jagen und sogar Kunsthandwerk betreiben.

Diese Lebensweise blühte, zusammen mit dem Viehhandel, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Dann nahm sie ab. Etliche Shielings verfielen, andere wurden dauerhaft bewohnt oder noch eine Weile von Schafhirten genutzt.

Drover - die Cowboys der Highlands

Während also die Bewohner der Highlands & Islands das Vieh aufzogen und fett machten, brauchte es Menschen, die das Vieh dann zu den großen Märkten im Süden brachten.

Das waren die Drover - na dròbhairean. Viehtreiber, die in den USA später Cowboys genannt wurden.

Die Drover kamen im Frühling aus dem Süden Schottlands. Dort kauften sie das Vieh nach Bedarf ab und sammelten es.

Das Vertrauen in diese Männer war hoch, denn sie hantierten ja mit viel Geld, das ihnen nicht gehörte.

An den Sammelpunkten der Drover schwoll die Herde dann an auf bis zu 300 Tiere und mehr.

Zirka für 50 Rinder war meist ein Treiber verantwortlich. Oft gab es noch einen Kundschafter, der zu Pferd voraus ritt, um Weideplätze für die Nacht zu finden.

Am Rastplatz für die Nacht gönnten sich die Treiber manchmal eine Mischung aus Hafer und etwas abgezapften Blut - heute als Black Pudding bekannt.

Die Herde kam so rund 15 Kilometer pro Tag voran. Es dauerte also teils Wochen, ehe sie an den Marktplätzen wie Falkirk oder Crieff ankamen.

Für den langen Weg brauchten die Drover Wissen über die Landschaft. Daraus entwickelten sich bald besondere Routen.

Die Highways der Drover

Richtige Straßen brauchten die Treiber nicht. Im Gegenteil, im Zweifel mieden sie diese sogar und hielten sich seitlich von ihnen. Das war besser für Vieh, Reisende und den Straßenbelag.

Auch dem Weg zu den Marktplätzen stellten sich der Herde Hindernisse in den Weg.

Sie mussten Bergrücken passieren – manchmal findet sich das in den Namen noch wieder, etwa beim Bealach na Bà - dem "Pass der Rinder".

Noch schwieriger: Die Rinder wurden ja auch von Inseln eingesammelt. Wie kamen die Tiere über das Wasser?

Antwort: Schwimmen. Zumindest manchmal. Zum Beispiel die Meerenge zwischen Skye und Festland – dort wo heute die Glenelg Fähre verkehrt.

Dort wurden die Tiere in Gruppen ins Wasser getrieben und zusammengebunden. Geführt von einem Boot, schwammen sie durch das Wasser.

Dabei mussten die Drover wissen, wie stark die Gezeitenströmungen gerade waren.

Dieses Netz an Routen, die die Drover nahmen, zog sich durch die gesamten Highlands und auch den Osten wie Aberdeenshire.

Erst ab der Höhe von Perth wurden sie zu einigen ganz großen Routen.

Aufschwung und Niedergang

Mit der Union zwischen Schottland und England im Jahre 1707 öffneten sich die Märkte im Süden Britanniens endgültig.

Davor gab es immer wieder einmal Zölle oder Einfuhrverbote, die den Markt ins Wanken brachten. Das war mit der Vereinigung der Königreiche passé.

Dazu kam einer der wichtigsten Abnehmer: die britische Armee.

Denn um ihre Soldaten auf dem Weg in alle Ecken der Welt zu ernähren, war Pökelfleisch ein wichtiges Nahrungsmittel.

Und auch die Arbeiter, die sich in der Industriellen Revolution in den Städten ballten, brauchten das Fleisch aus den Highlands.

Die Nachfrage war enorm! Wir reden von mehreren 10.000 pro Jahr.

Erst mit den Highland Clearances und der einsetzenden Schafzucht, wurden auch die Drover weniger.

Das Aufkommen von Eisenbahnen und Dampfschiffen jedoch, machte die Treiber bald überflüssig.

Dennoch gab es einige wenige noch bis Ende des 19. Jahrhunderts, ehe das große Viehtreiben ein Ende fand.

Also, was meint Ihr: Habe ich übertrieben mit meinem Vergleich von Almen, Cowboys und Highways? Schreibt es gerne in die Kommentare. Lasst mir ein Like da und Teil das Video gerne mit anderen Schottland-Freunden.

Bis dann. Tioraidh an-drasta agus oidhche mhat.

Über diesen Podcast

In dem Myhighlands.de Podcast spreche ich über Themen rund um Schottland und die Highlands. Besonders Geschichte und Geschichten, Clans und Berühmtheiten stehen hier im Vordergrund.

von und mit Stephan Goldmann

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