MyHighlands.de - der Podcast für Schottland-Fans

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00:00:00: Das hier

00:00:00: ist die

00:00:01: alte Grenze

00:00:02: zwischen England und Schottland.

00:00:04: Eigentlich gab es da noch gar

00:00:05: kein England und Schottland,

00:00:06: sondern eben

00:00:07: nur das von den Römern

00:00:09: besetzte Britannien

00:00:10: und das nicht von den Römern

00:00:12: besetzte Britannien.

00:00:14: Aber dass der Hadrianswall

00:00:15: den Norden vom Süden

00:00:16: teilte, heißt ja nicht,

00:00:17: dass die Römer nicht im

00:00:18: heutigen Schottland waren.

00:00:20: Wie also war das

00:00:21: genau mit den Schotten und den Römern

00:00:24: Ihr hört MyHighlands -

00:00:26: den Podcast rund um Themen zu Schottland.

00:00:30: heute?

00:00:31: Warum Rom Schottland

00:00:32: nie in den Griff bekam?

00:00:35: Halò a h-uile duine, ciamar a tha sibh?

00:00:39: Schottland war zurzeit der Römer als Land

00:00:41: natürlich noch gar kein Thema.

00:00:43: Es gab da

00:00:43: die Insel, die sie Britannien nannten.

00:00:46: Sie war besiedelt

00:00:47: vom gleichen Volk.

00:00:50: Doch mit dem Hadrianswall

00:00:51: zwei schufen die Römer

00:00:53: zwei Gebiete

00:00:54: und legten so den Grundstein

00:00:56: für die künftige Trennung.

00:00:58: Was genau damals passierte,

00:01:00: was der Wall bedeutete

00:01:01: und was die Schotten

00:01:02: mit den Römern zu tun hatten,

00:01:04: das versuche ich hier

00:01:05: ein bisschen zu erklären.

00:01:07: Die ersten Kontakte.

00:01:09: Als Erstes

00:01:09: hat Gaius Julius Cäsar

00:01:11: die Insel Britannien betreten.

00:01:13: Im Jahr 55 v. Chr. startete er

00:01:16: eine Expedition,

00:01:17: landete, kämpfte und siegte.

00:01:20: Er, genauer gesagt

00:01:21: die römische Armee,

00:01:22: gewann auch deshalb, weil hier

00:01:24: Berufssoldaten gegen Amateure antraten.

00:01:26: Römische Legionäre und Hilfstruppen

00:01:28: waren es gewohnt, als Verband

00:01:30: gemeinsam zu kämpfen,

00:01:31: die meisten schon seit Jahren.

00:01:33: Die Kelten waren dagegen

00:01:34: zumeist Bauern,

00:01:35: die im Zweifel

00:01:36: den Pflug gegen das Schwert tauschten.

00:01:39: Doch trotz des Siegs

00:01:40: Cäsar hatte gar nicht vor zu bleiben.

00:01:42: Er wollte seine Macht demonstrieren

00:01:44: und sich dafür in Rom feiern lassen.

00:01:47: Und so bekamen die Kelten

00:01:48: auf der britischen Insel

00:01:49: noch einen Aufschub von fast 100 Jahren.

00:01:52: Die Briten,

00:01:54: was waren das überhaupt für Leute?

00:01:55: Im Prinzip

00:01:56: wie in weiten Teilen

00:01:57: Europas keltische Stämme.

00:01:59: Als der Grieche Pytheas

00:02:01: im Jahr 320

00:02:02: v. Chr.

00:02:03: sich von Seeleuten

00:02:04: über diese Stämme erzählen ließ,

00:02:05: notierte er den Namen Pretannikai.

00:02:08: Das bedeutet tätowierte Leute.

00:02:10: Daraus entwickelte sich

00:02:11: das Wort Britannien.

00:02:13: Das war aber keine Eigenbezeichnung.

00:02:15: Der Name

00:02:16: der Insel lautete vermutlich

00:02:17: in der eigenen Sprache Albion.

00:02:20: Etwas, das sich heute noch

00:02:21: in der Bezeichnung

00:02:22: für Schottland wiederfindet.

00:02:23: Alba.

00:02:25: Ansonsten waren Stämme

00:02:27: und erste Königreiche dort vorhanden,

00:02:29: die Ikener im Süden zum Beispiel. Die

00:02:32: waren einer der größten

00:02:33: Reiche im Zentrum der Insel.

00:02:35: Im heutigen Schottland erstreckte

00:02:36: sich, erstreckten sich

00:02:37: die Votadini im Osten der Insel

00:02:39: über das heutige Northumberland

00:02:40: bis hoch zum heutigen Edinburgh.

00:02:42: Fife und Angus waren bevölkert

00:02:44: durch die Venicones und die Taexali,

00:02:47: ihr Gebiet war reich an Getreide.

00:02:50: Das heutige Clyde-Tal

00:02:51: bei Glasgow und etwas mehr

00:02:53: gehörte den Damnonii.

00:02:55: In Dumfries und Galloway lebten

00:02:57: noch die Selgovae und Novantae,

00:02:59: und dann gab es ganz im Norden

00:03:01: noch die Caledonii.

00:03:02: Ihr Name sollte sich

00:03:03: als Caledonien auch

00:03:05: in der Nachwelt erhalten.

00:03:06: Und das waren nur

00:03:07: einige der Reiche Britanniens.

00:03:09: Über die Sprache

00:03:10: wissen wir allerdings wenig.

00:03:11: Vermutlich ist sie am ehesten verwandt

00:03:13: mit dem heutigen Walisisch.

00:03:15: Von der ersten Invasion Caesars

00:03:17: haben die Menschen im Norden

00:03:18: wahrscheinlich nur wenig mitbekommen.

00:03:20: Das sollte sich

00:03:21: aber beim nächsten Mal schon ändern.

00:03:24: Claudius gekommen, um zu bleiben.

00:03:27: Cäsar wurde umgebracht.

00:03:29: Augustus hat das Kaisertum eingeführt.

00:03:31: Tiberius kümmerte sich um Germanien.

00:03:34: Caligula.

00:03:35: Naja, Schwamm drüber.

00:03:37: Aber dann kam Claudius,

00:03:39: und der machte ernst.

00:03:40: Er wollte Ruhm einheimsen und so

00:03:42: seine Stellung festigen.

00:03:44: Britannien war für ihn

00:03:45: ein reifer Apfel,

00:03:46: den es zu pflücken galt.

00:03:47: Er zog eine gigantische Streitmacht

00:03:49: zusammen,

00:03:50: und im Jahr 43 n. Chr. marschierten

00:03:53: die Römer dann ein.

00:03:54: Claudius war 16 Tage selbst mit dabei.

00:03:56: Danach überließ er

00:03:58: die Arbeit seiner Armee.

00:04:00: In den nächsten Jahren unterwarfen

00:04:01: die Soldaten einen großen Teil der Insel.

00:04:04: Eine kleine Randnotiz

00:04:05: eines Historikers zeigt,

00:04:07: dass dazu auch Teile

00:04:08: Schottlands gehörten.

00:04:09: Claudius fügte dem Imperium

00:04:11: einige Inseln hinzu,

00:04:13: die im Ozean hinter Britannien liegen.

00:04:15: Sie werden die Orkneys genannt.

00:04:17: Hoppla!

00:04:18: Waren die Römer so weit gekommen?

00:04:20: Nein, waren sie nicht.

00:04:21: Zumindest nicht zu Fuß.

00:04:23: Aber falsch ist das auch nicht.

00:04:25: Tatsächlich fanden

00:04:26: Archäologen im Broch of Gurness

00:04:27: Überreste römischer Amphoren.

00:04:29: Und die datierten sie noch vor

00:04:31: das Jahr 60 n. Chr.

00:04:33: Hier war wohl Diplomatie am Werk.

00:04:35: Die Könige oder Stammesführer

00:04:38: Orkneys unterwarfen sich in Anführungszeichen

00:04:40: dem römischen Reich.

00:04:41: Dafür nahmen sie kostbare Getränke

00:04:43: und vermutlich auch noch einen Batzen

00:04:44: Edelmetall mit.

00:04:45: Claudius konnte sich

00:04:46: dafür zu Hause protzen

00:04:48: und sich den Namen Britannicus anhängen.

00:04:50: Eine echte Win-win Situation

00:04:53: In der Lebensrealität

00:04:54: auf Orkney

00:04:55: wird sich für die meisten

00:04:56: Menschen nichts geändert haben.

00:04:58: Aber das zeigte,

00:04:59: dass das römische Reich

00:05:00: seine Fühler

00:05:00: auch ins heutige Schottland ausgestreckt

00:05:02: hatte.

00:05:03: 51 Nach Christus starb Claudius.

00:05:06: Sein Nachfolger wurde Nero, ja, der Nero.

00:05:10: Unter ihm verfestigten

00:05:11: die Römer ihren Griff um Britannien

00:05:14: so sehr, dass sich die Ikener im Süden

00:05:16: unter der Königin

00:05:17: Boudicca gegen die Besatzer erhoben.

00:05:20: Das zeigte,

00:05:21: dass die Briten sich keineswegs

00:05:23: einfach fügte.

00:05:24: Es war immer ein Unruheherd,

00:05:28: und bei den Kämpfen im Süden

00:05:29: der Insel

00:05:29: halfen

00:05:30: auch Banden

00:05:31: aus dem heutigen Schottland mit.

00:05:34: Nero nahm sich im Jahr 68 das Leben.

00:05:36: Danach versuchten sich

00:05:38: vier verschiedene Kaiser in einem Jahr.

00:05:40: Erst 69 setzte sich Vespasian durch

00:05:43: und der eroberte das Gebiet

00:05:45: bis zur heutigen schottischen Grenze.

00:05:47: Ich weiß. Was für ein Galopp.

00:05:49: Kurz gesagt,

00:05:50: Zwischen 43 und 69 haben die Römer

00:05:52: das Gebiet bis Schottland erobert.

00:05:54: Danach wird es für uns Schottland

00:05:55: Freunde schon interessanter.

00:05:57: Titus als Kaiser will mehr

00:06:00: und lässt einen ehrgeizigen

00:06:01: und erfahrenen Soldaten von der Leine.

00:06:04: Agricola marschiert

00:06:05: mit einer Armee

00:06:06: zwischen 79 und 84 quer durch Schottland.

00:06:09: Er erreicht

00:06:10: die Westküste, überlegte

00:06:11: sich sogar, in Irland einzufallen,

00:06:13: legte sich dann

00:06:14: aber lieber im Osten

00:06:15: mit den Caledoniern an

00:06:17: die berühmte Schlacht am Mons

00:06:18: Graupius

00:06:19: habe ich in einer eigenen

00:06:20: Folge beschrieben.

00:06:22: Agricola hat es

00:06:22: bis zum heutigen Inverness geschafft.

00:06:24: Dann kehrte er wieder um.

00:06:28: Gask Ridge,

00:06:29: was vom ersten Feldzug blieb.

00:06:32: Aber was haben die Römer

00:06:33: aus der Zeit hinterlassen?

00:06:34: Haben sie danach Schottland besetzt?

00:06:36: Immerhin waren sie siegreich. Jein.

00:06:39: Agricola hat eine erste

00:06:40: Infrastruktur aufgebaut, den Gask Ridge.

00:06:44: Und der war etwas Besonderes.

00:06:45: Er gilt als älteste befestigte Land

00:06:48: Landesgrenze des römischen Reiches.

00:06:51: Aber er war keine Mauer.

00:06:52: Der Gask Ridge bestand

00:06:53: aus einer Kette von Wachtürmen

00:06:55: und größeren Lagern,

00:06:57: die durch Straßen verbunden waren.

00:06:59: Er zog sich

00:07:00: 37 Kilometer lang,

00:07:01: ungefähr von Doune bis nach Angus hinein.

00:07:04: Die Augen der Soldaten haben sich dabei

00:07:06: vermutlich gen Norden gerichtet.

00:07:08: Man kann das etwas simulieren.

00:07:09: Sie werden einen ähnlichen

00:07:10: Ausblick gehabt haben

00:07:11: wie jemand,

00:07:12: der heute

00:07:12: vom Wallace Monument bei Stirling schaut.

00:07:16: Sie konnten die Berge der Highlands sehen

00:07:18: und bewachten deren Ausgänge.

00:07:20: Dort waren sogar extra Lager hingebaut.

00:07:23: Denn es war

00:07:23: der Feind aus dem Nordwesten,

00:07:24: der ihnen hier Sorgen bereitete.

00:07:27: Mit den Stämmen

00:07:28: im Südosten des Gask Ridge hatten

00:07:29: die Römer hingegen ein gutes Verhältnis.

00:07:32: Schließlich konnten

00:07:33: die beiden miteinander

00:07:33: einen schwunghaften Handel betreiben,

00:07:35: denn die Soldaten benötigten Essen

00:07:37: und die Venicones und

00:07:38: andere hatten Getreide.

00:07:41: Eines der berühmtesten Überbleibsel

00:07:43: der Römer aus dieser Zeit

00:07:44: ist das Lager von Inchtuthil bei Perth.

00:07:47: Mit bloßem Auge ist nicht viel zu sehen.

00:07:50: Doch man hat unter der Erde

00:07:51: ein Lager entdeckt, das wohl riesig war,

00:07:55: Aber schon im Jahr 86,

00:07:58: also nur drei Jahre

00:07:58: nach dem römischen Sieg bei Graupius,

00:08:00: wurde das Lager wieder abgebaut,

00:08:02: und zwar sorgfältig.

00:08:04: Es wurden über 800.000

00:08:05: Eisennägel in einer Grube verscharrt

00:08:08: und später gefunden.

00:08:09: Ein Grund könnte sein,

00:08:11: dass die damaligen Schotten

00:08:12: zu wenig entwickelt waren

00:08:13: aus römischer Sicht.

00:08:14: Konkret

00:08:15: Über eine Dorfgemeinschaft hinaus

00:08:17: waren die Nordvölker kaum organisiert.

00:08:19: Eine derart

00:08:20: dezentrale Ordnung

00:08:21: konnten auch die Römer nicht beherrschen.

00:08:22: Im Süden

00:08:23: hat es immerhin

00:08:24: kleine Königreiche gegeben,

00:08:25: wie die Ikener eben.

00:08:26: Sie hatten schon eine Art

00:08:27: zentrale Verwaltung,

00:08:30: die Schotten wohl nicht.

00:08:31: Was folgte,

00:08:32: war zwar

00:08:32: kein hastiger Rückzug,

00:08:34: sondern ein geplanter Abzug,

00:08:35: aber die Römer gingen wieder.

00:08:37: Sie zogen sich aus dem

00:08:38: heutigen Schottland zurück.

00:08:40: Hadrianswall.

00:08:42: Jemand hat die

00:08:43: Absicht, eine Mauer zu errichten.

00:08:45: Dennoch unterhielt man weiter

00:08:47: Handelsbeziehungen.

00:08:49: Die Römer behielten mit Trimontium

00:08:51: auch einen großen Außenposten

00:08:53: in der Borders

00:08:54: Region von Schottland.

00:08:55: Trimontium bewachte

00:08:57: die wichtige Straße nach Norden.

00:08:58: Heute als Dere Street bekannt.

00:09:01: Sicher war es da dennoch nicht.

00:09:03: Archäologen fanden in Trimontium

00:09:05: Anzeichen von Überfällen

00:09:06: um das Jahr 105 herum.

00:09:08: Die Römer mussten daraufhin

00:09:09: auch diesen Außenposten wieder aufgeben.

00:09:11: Der Druck

00:09:12: der heutigen Schotten war zu stark.

00:09:15: Endlich kam Hadrian an die Macht.

00:09:18: Mit ihm änderte sich einiges.

00:09:20: Seine Doktrin war nicht mehr,

00:09:22: sich mit Eroberungsruhm zu bekleckern.

00:09:24: Nein,

00:09:24: er wollte die römische Welt definieren.

00:09:27: Er hat eine revolutionäre Vision.

00:09:29: Ich stehe jetzt quasi hier

00:09:30: auf der schottischen Seite des Hadrianswall,

00:09:33: weil und hier ist er besonders schön.

00:09:35: Das ist, das gab im Hintergrund hier.

00:09:38: Das Tolle an dem römischen Hadrian

00:09:41: Schwall war ja,

00:09:42: dass er eigentlich

00:09:43: überhaupt zum Ersten Mal

00:09:44: das Konzept eingebracht hat,

00:09:45: dass es eine feste Außengrenze

00:09:47: eines Landes

00:09:47: oder in dem Fall eines Reiches gibt.

00:09:49: Davor waren es eher

00:09:50: Grenzgebiete, Territorialgebiete,

00:09:53: wo es vielleicht eine Grauzone war.

00:09:55: Die Römer haben im ersten Jahrhundert

00:09:56: n. Chr.

00:09:57: angefangen, wirklich klar

00:09:58: vermessene Außengrenzen zu ziehen,

00:10:01: die das Ende der römischen Welt

00:10:03: bezeichnet haben.

00:10:04: Und da war eben

00:10:04: auf der einen Seite

00:10:06: hier im Fall

00:10:07: dort drüben das heutige England,

00:10:10: der kultivierte römische,

00:10:12: die römische Welt.

00:10:13: Und auf dieser Seite lebten die Barbaren,

00:10:16: und das sind heute die Schotten.

00:10:19: Hadrian.

00:10:20: Bestimmte Limites

00:10:21: wie bei uns, etwa den Limes.

00:10:23: Und diese Grenzen waren in der Landschaft

00:10:25: deutlich sichtbar.

00:10:27: Sein Prunkwerk sollte

00:10:28: der nach ihm benannte

00:10:29: Wall werden, der Hadrianswall.

00:10:32: Der hatte zwei.

00:10:33: Ist schon beeindruckend.

00:10:35: Ihr müsst euch vorstellen,

00:10:36: dass die Mauern, die hinter mir stehen,

00:10:38: eigentlich zwischen vier

00:10:39: und 6 Meter hoch waren

00:10:41: und zwischen zwei und 3 Meter breit.

00:10:44: Und so hat sich diese Mauer

00:10:46: 117 Kilometer weit von der Nordsee,

00:10:50: beim heutigen Wallsend

00:10:51: bis in den Westen zum Solway Firth erstreckt.

00:10:55: Das ist schon

00:10:56: ein wahnsinniges

00:10:58: Stück Ingenieursgeschichte,

00:10:59: was die Römer da

00:11:00: im Jahr 122

00:11:01: n. Chr. zustande gebracht haben,

00:11:04: Was für eine Leistung!

00:11:06: Da der Limes

00:11:07: vermutlich wie viele römische Bauten

00:11:09: verputzt war,

00:11:10: zog sich ein weißes Band

00:11:12: durch das grüne Land.

00:11:14: Ja, er schnitt es gar in zwei

00:11:16: für die Menschen vor Ort ein Schock.

00:11:19: Teils lagen

00:11:19: ihre alten Weidegründe

00:11:21: nun auf der anderen Seite der Mauer.

00:11:23: Das war natürlich Pech für die Kuh Elsa.

00:11:26: aber undurchlässig war

00:11:27: diese Mauer nicht exakt.

00:11:29: Nach jeder römischen Meile

00:11:31: stand ein kleines Kastell mit Toren.

00:11:34: Hier konnten Händler

00:11:35: und Reisende passieren,

00:11:37: gegen Zoll vermutlich.

00:11:39: Weiterhin betrieben

00:11:40: die frühen Schotten

00:11:41: also Handel mit den Römern.

00:11:44: Hadrian erreichte sein Ziel.

00:11:46: Das Reich war sicher und es war begrenzt

00:11:49: auf heute gemünzt.

00:11:51: Die guten Schotten kamen rein

00:11:53: und die schlechten blieben draußen.

00:11:55: Antoninus will mehr.

00:11:57: Schon Hadrian

00:11:58: Nachfolger, verwarf dessen Doktrin wieder

00:12:00: und wandte

00:12:01: sich der Erweiterung des Reichs zu.

00:12:05: Nur 20 Jahre nach dem

00:12:06: Hadrianswall seinen vollendet

00:12:07: hatte, hat sein Nachfolger

00:12:09: Antoninus bereits Lust verspürt,

00:12:10: die Grenzen des Reichs

00:12:11: nach Norden zu erweitern,

00:12:13: nämlich bis hinein

00:12:14: ins heutige Schottland.

00:12:15: Oberhalb von Glasgow und Edinburgh,

00:12:17: zwischen dem Clyde und dem Firth of Forth.

00:12:20: Und dieser Wall war allerdings

00:12:22: im Gegensatz zum Hadrianswall aus Torf und Erde.

00:12:25: Das heißt,

00:12:25: wir haben davon nicht mehr allzu

00:12:26: viel übrig. Heute.

00:12:28: Andere Zeugen der Zeit

00:12:30: hingegen sind gut erhalten geblieben,

00:12:31: wie hier

00:12:32: in Bearsden, im Norden von Glasgow.

00:12:34: Dieses Badehaus,

00:12:36: das die Legionäre benutzt haben

00:12:38: und eine Latrine dort drüben,

00:12:39: das war natürlich auch sehr wichtig.

00:12:41: Und die zeugen heute davon, dass

00:12:45: dass die Römer hier stationiert waren.

00:12:46: Allerdings auch nur 20 Jahre lang.

00:12:49: Und dann hat der Nachfolger von Antoninus

00:12:51: schon wieder gesagt,

00:12:51: das ist ihm zu kostspielig.

00:12:53: Und so haben sich die Römer

00:12:54: wieder hinter den

00:12:55: Hadrianswall zurückgezogen.

00:13:00: Dabei war es durchaus ernst

00:13:01: gemeint mit dem Antoninuswall.

00:13:03: 7.000 Soldaten wurden dort stationiert,

00:13:06: eine ganze Menge.

00:13:07: In ihrem Schatten siedelten sich

00:13:09: Händler, Handwerker,

00:13:10: Frauen und Familien an

00:13:13: Das Problem

00:13:15: Wenn man Territorium einnimmt,

00:13:16: muss es anschließend Gewinn generieren.

00:13:18: Wenn es stattdessen Geld verbraucht,

00:13:20: weil die Befriedung zu teuer

00:13:21: ist, hat man sich ein Ei gelegt.

00:13:24: Und so haben die Römer den Bereich

00:13:26: bald wieder aufgegeben.

00:13:28: Historiker Alistair Moffatt datiert

00:13:30: die politische Entscheidung

00:13:31: zur Rückverlegung

00:13:32: schon auf das Jahr 157 n. Chr.,

00:13:35: also noch unter Antoninus Pius.

00:13:37: Selbst der Rückzug hatte wohl nicht

00:13:40: nur einen Grund Die Linie im Norden war

00:13:43: teuer, schwer zu halten

00:13:44: und band viele Soldaten.

00:13:47: Gleichzeitig brauchte

00:13:48: Rom seine Truppen weiter südlich,

00:13:50: wo die Gebiete wirtschaftlich

00:13:51: und strategisch viel wichtiger waren.

00:13:54: Hinzu kommt

00:13:55: Die Briten haben sich

00:13:56: auch nach all den Jahren nicht

00:13:58: wie die Gallier romanisiert.

00:14:00: Nur etwa 1/4

00:14:01: der Bewohner hatten

00:14:02: den Lebensstil der Besatzer

00:14:03: halbwegs angenommen.

00:14:05: Und im Norden

00:14:06: wird es noch schlimmer gewesen sein.

00:14:07: Im Gegensatz zu anderen Provinzen

00:14:09: gab es auch kaum große Städte.

00:14:11: Das hatte Folgen.

00:14:13: Und denn unter den Briganten in der Mitte

00:14:15: Britanniens gab es auch

00:14:17: immer wieder Unruhen.

00:14:19: Doch die Aufgabe von Antoninuswall

00:14:21: nach kaum

00:14:21: 20 Jahren war bitter für Zivilisten,

00:14:23: die sich dort eingerichtet hatten.

00:14:25: Immerhin, es war kein hastiger Rückzug.

00:14:27: Es gab eine Übergangsphase.

00:14:29: Der Hadrian

00:14:30: zwei musste erst wieder

00:14:31: als Grenzsystem funktionieren.

00:14:32: Lager, Versorgung, Infrastruktur

00:14:35: wurden wieder hergerichtet.

00:14:37: Die Forts am Antoninuswall wurden danach

00:14:40: systematisch zerstört

00:14:42: oder niedergebrannt.

00:14:43: Rom gab den Norden nicht geistig auf.

00:14:46: Es gab weiter

00:14:47: Kontakte, Handel,

00:14:48: Vorstöße und militärische Aktionen.

00:14:51: Vom Antoninuswall

00:14:52: sieht der Besucher heute kaum noch etwas.

00:14:54: Aber noch im 18.

00:14:55: Jahrhundert war dieser Wall

00:14:56: als Linie im Gelände erkennbar.

00:14:58: Doch modernes Bauwesen

00:14:59: hat das meiste heute überdeckt.

00:15:02: Rebuild Hadrianswall.

00:15:06: Auf Antoninus folgte 161

00:15:08: der Philosophenkaiser Marc Aurel.

00:15:11: Sein Hauptproblem

00:15:12: lag jedoch an der Donau.

00:15:14: Dort sicherte er mit viel Aufwand

00:15:15: die Grenzen gegen Invasionen.

00:15:17: Für Britannien hatte Marc Aurel

00:15:19: nur wenig Sinn.

00:15:20: Dadurch wurde die Lage dort so schwierig,

00:15:22: dass mehr und mehr

00:15:23: Stadtmauern entstanden.

00:15:26: Immer wieder gab

00:15:27: es Einfälle

00:15:27: aus dem heutigen Schottland

00:15:29: oder Aufstände in der Provinz selbst.

00:15:31: Und nach dem Tod von Marc

00:15:33: Aurel im Jahr 180

00:15:35: ging es dann richtig bergab.

00:15:37: Es endete das goldene Zeitalter Roms.

00:15:39: Sein Nachfolger für uns

00:15:41: stets sein Name Commodus.

00:15:44: Ob er wirklich so schlimm war,

00:15:45: wie manche Quellen erzählen,

00:15:47: soll hier nicht das Thema sein.

00:15:49: In Sachen Britannien

00:15:50: hatte er zunächst sogar noch Erfolg,

00:15:52: denn in den 180ern

00:15:54: herrschte richtiger Krieg.

00:15:56: Banden aus dem Norden überfielen

00:15:57: die Provinzen.

00:15:59: Mehrere römische Lager

00:16:00: wurden niedergebrannt

00:16:02: und sogar ein Heerführer getötet.

00:16:05: Commodus schickte darum Ulpius Marcellus.

00:16:07: Der tat sein Bestes.

00:16:09: Doch Commodus

00:16:10: verscherzte es sich auch

00:16:11: derart mit dem Militär,

00:16:12: speziell in Britannien,

00:16:14: dass 1.500 Soldaten

00:16:16: sich von dort

00:16:16: auf den Weg nach Rom machten.

00:16:18: Sie wollten dort für ihre

00:16:19: Interessen einstehen.

00:16:20: Und so fehlte natürlich

00:16:22: der Schutz in Britannien.

00:16:23: Diese Aktion zeigte noch etwas anderes.

00:16:26: Die britischen Legionen

00:16:28: wurden selbst ein Machtfaktor.

00:16:30: Wer sie beherrschte,

00:16:32: der konnte sogar nach dem Kaiserthron

00:16:33: greifen.

00:16:34: Als Commodus

00:16:35: schließlich starb,

00:16:36: war seine Nachfolge ungeregelt.

00:16:38: Zwar wurde ein neuer Kaiser eingesetzt,

00:16:40: aber der hielt sich gerade mal

00:16:42: drei Monate.

00:16:43: Und dann passierte

00:16:44: genau das, was ich schon angedeutet habe.

00:16:46: verschiedene Armeeführer

00:16:48: riefen sich selbst zum Kaiser aus.

00:16:50: Einer davon war Albinus aus Britannien.

00:16:54: Der zog mit seinen Legionen

00:16:55: in den Krieg auf Festlandeuropa.

00:16:57: Und wenn die Katze aus dem Haus ist,

00:16:59: tanzen die Mäuse auf den Tischen.

00:17:01: Wieder fielen

00:17:02: die Stämme aus dem Norden

00:17:03: in die britische Provinz

00:17:04: an, plünderten, mordeten.

00:17:07: Die Kaiser-Streitigkeiten endeten derweil

00:17:09: in einer riesigen Schlacht bei Lyon

00:17:11: im heutigen Frankreich.

00:17:13: Albinus verlor den Kampf und sein Leben.

00:17:16: Sein Nachfolger

00:17:17: Severus erhob sich selbst zum Kaiser

00:17:20: und räumte zunächst auch in Britannien

00:17:22: wieder auf.

00:17:23: Im Jahr

00:17:24: 208 reiste er in die schwierige Provinz,

00:17:26: und zusammen

00:17:27: mit seinen Söhnen

00:17:28: stieß er auch

00:17:28: tief ins heutige Schottland vor.

00:17:30: Er wollte zeigen Macht das nie wieder.

00:17:33: Die Rache ist euch gewiss.

00:17:35: Severus

00:17:36: dies zudem

00:17:36: den Hadrianswall wieder renovieren.

00:17:38: Vermutlich wollte Severus

00:17:40: sogar wieder das Reich nach

00:17:41: Norden ausdehnen.

00:17:42: Er begann einen wirklich

00:17:44: gewaltigen Feldzug.

00:17:45: Erneut gestützt durch die Flotte,

00:17:48: marschierten rund

00:17:49: 40.000 Soldaten nach Schottland.

00:17:52: Der Historiker

00:17:53: Moffatt schreibt,

00:17:54: dass wenn die ersten Soldaten begannen,

00:17:56: das neue Marschlager aufzuschlagen,

00:17:57: die letzten das alte Marschlager

00:17:59: noch nicht verlassen hätten.

00:18:02: Die Römer kamen

00:18:03: bis zum Fluss Tay

00:18:04: im heutigen Zentralschottland.

00:18:06: Am Ort

00:18:06: Carpow wurde ein

00:18:08: Fort aus der Zeit um 200 gefunden.

00:18:10: Von hier

00:18:11: würden die Legionäre

00:18:12: gegen die Störenfriede vorgehen.

00:18:14: Die Caledonier allen voran.

00:18:16: Doch das Vorhaben wurde unterbrochen.

00:18:19: Kaiser Severus starb 211 in Britannien.

00:18:22: Seine Söhne hatten kein Interesse,

00:18:24: den Norden zu erobern.

00:18:26: Die sind sich

00:18:26: lieber gegenseitig an

00:18:27: die Gurgel gegangen.

00:18:29: Es begann das Zeitalter

00:18:32: der Soldatenkaiser

00:18:33: Britannien war

00:18:34: also ein Karrieresprungbrett.

00:18:36: Teilweise war es

00:18:37: sogar Teil eines

00:18:38: abgespaltenen eigenen Reiches,

00:18:40: aber stabil.

00:18:41: Erst im Jahr 296 wird das Reich

00:18:45: erneut geeint.

00:18:46: Doch die Lage

00:18:47: hatte sich grundlegend geändert.

00:18:51: Das Ende der Provinz

00:18:52: Britannien.

00:18:56: Im vierten Jahrhundert

00:18:57: ist statt von den Caledoniern

00:18:58: schon von den Pikten die Rede.

00:19:00: Die Bemalten

00:19:01: erinnert ein wenig an

00:19:03: das frühere Pretannikai.

00:19:05: Auch die Tätowierten.

00:19:07: Unter diesem Begriff

00:19:08: fasste ein Historiker

00:19:09: die Stämme hinter dem Wall zusammen.

00:19:11: Deren Namen hatten sich

00:19:12: übrigens auch geändert.

00:19:12: In Schottland gab es nun den Verbund,

00:19:14: der Maeatae

00:19:15: und weiter nördlich die Caledonii.

00:19:18: Die Küsten im Westen werden

00:19:20: wurden von den irischen

00:19:21: Piraten heimgesucht.

00:19:22: Die Römer bezeichneten sie als Scotti.

00:19:24: Im Osten erschienen

00:19:26: die Sachsen, im Süden die Franken.

00:19:28: Rom reagiert und befestigte erneut

00:19:30: die Grenzen und Küsten.

00:19:31: Doch 367 kam es zur Katastrophe.

00:19:34: Die Feinde fielen in die Provinz

00:19:36: Britannien ein,

00:19:37: als hätten sie sich abgesprochen.

00:19:39: Historiker bezeichneten es als

00:19:42: Barbaren-Verschwörung.

00:19:43: Ob es eine Absprache

00:19:44: oder einfach nur die Schwäche

00:19:46: Roms war, ist unklar.

00:19:48: Doch noch einmal

00:19:49: konnte Rom Britannien befestigen.

00:19:53: Aber es wurde klar Britannien zu halten

00:19:55: war zu teuer.

00:19:56: Und es gab zu viele Kämpfe um Rom selbst.

00:19:59: Britannien

00:19:59: ging zwar nicht an einem Tag verloren,

00:20:01: immer wieder nutzten Macht.

00:20:02: Gierige Soldaten

00:20:03: führe die Legionen

00:20:05: für ihre Interessen auf dem Festland.

00:20:07: So wurden die Besatzungen immer kleiner.

00:20:09: Im Jahr 411

00:20:10: gab es schlicht

00:20:11: keine römische Verwaltung

00:20:12: und Truppen mehr in Britannien.

00:20:14: Die römische Provinz

00:20:15: endete nicht mit einem Knall,

00:20:17: sondern mit einem Wimmern.

00:20:20: Was von den Römern blieb.

00:20:22: Fazit Rom und Schottland,

00:20:24: das war eine dysfunktionale On

00:20:26: und Off Beziehung.

00:20:27: Obwohl die Besatzer aus dem Süden

00:20:28: es mehrfach versuchten, zogen sie nach

00:20:30: militärischen Erfolgen

00:20:31: meist freiwillig wieder ab.

00:20:33: Das heutige Schottland war zu kalt,

00:20:35: zu nass und zu teuer.

00:20:37: Eigentlich wie heute.

00:20:39: Egal.

00:20:40: Und mit der Zeit verstanden

00:20:41: die Stämme aus dem Norden es,

00:20:43: den Spieß umzudrehen.

00:20:44: Sie drangen immer wieder

00:20:45: in die römischen Provinzen ein

00:20:46: und zeigten,

00:20:47: dass Rom auch sie nicht halten konnte.

00:20:50: Wer heute Spuren

00:20:51: der Römer in Schottland sehen will,

00:20:52: dem kann ich nur raten,

00:20:53: sich auch den Hadrianswall anzusehen.

00:20:55: Das Lager Vindolanda

00:20:57: südlich der schottischen Grenze

00:20:59: und das Sycamore Gap sind absolut sehenswert.

00:21:03: Wer Schottland nicht verlassen

00:21:04: will, kann das Museum

00:21:05: von Trimontium besuchen.

00:21:07: Nördlich von Glasgow liegt mit Bearsden

00:21:10: einer der interessantesten

00:21:11: Überbleibsel des Antoninuswall.

00:21:14: Ich hoffe, mein

00:21:15: Ausflug in

00:21:15: das römische Britannien

00:21:16: hat euch gefallen.

00:21:18: Und ihr kennt ja den Drill

00:21:19: Liken, abonnieren

00:21:20: und teilen oder mich auf Steady

00:21:22: mit einem Abo unterstützen.

00:21:24: Bis zum nächsten Mal, sage ich

00:21:26: Tioraidh an-dràsta

00:21:28: agus oidhche mhath.

Über diesen Podcast

In dem Myhighlands.de Podcast spreche ich über Themen rund um Schottland und die Highlands. Besonders Geschichte und Geschichten, Clans und Berühmtheiten stehen hier im Vordergrund.

von und mit Stephan Goldmann

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